Das erste Seawing-System wurde auf der „Ville de Bordeaux“ installiert (Quelle: Airseas)

Windkraftantriebe unterstützen Klimaziele

Mit der Installation des von dem französischen Start-up Airseas, einer Ausgründung der Airbus Industries, entwickelten Seawing-Zugdrachensystems auf dem von Airbus gecharterten RoRo-Schiff „Ville de Bordeaux“ sollen erhebliche Emissionsreduzierungen erzielt werden. Das 2004 gebaute Frachtschiff transportiert Flugzeugkomponenten zwischen Saint Nazaire und den Vereinigten Staaten und soll seit Beginn dieses Jahres mit einer 500 m2 großen Testversion des Zugdrachens auf Transatlantikreisen umfangreiche Tests durchführen.

Das Konzept ist nicht neu. Bereits 2008 absolvierte der Mehrzweckfrachter „Beluga Skysails“ (IMO 9399129) der inzwischen insolventen Bremer Beluga-Reederei seine Jungfernfahrt als erstes kommerzielles Schiff mit einem Zugdrachensystem von Skysails

Das Seawing-System besteht aus einem flexiblen drachenartigen Segel, das sowohl über ein Seil mit dem Schiff in dessen Bugbereich als auch mit einer Gondel verbunden ist, die die Technik zur Flugsteuerung und den Antrieb enthält. Der Einsatz erfolgt von der Brücke aus. Der Betrieb – Start, Flug, Landung und Lagerung – ist automatisiert. Ein System zur Routenoptimierung soll durch optimale Nutzung der Wetterverhältnisse den Treibstoffverbrauch sowie die Schadstoffemissionen zusätzlich minimieren. Laut dem Hersteller kann das Seawing-System innerhalb von lediglich zwei Tagen nachgerüstet werden.

Das in seiner endgültigen Version 1000 m² große Drachensegel wird durch ein von der Luftfahrt inspiriertes Navigationssystem gesteuert und am oberen Ende eines 30 bis 35 m hohen ausfahrbaren Mastes entfaltet. Das Ausfahren und die Entfaltung sollen automatisch innerhalb von 15 min erfolgen. Das Segel wird in etwa 150 bis 300 m Höhe eingesetzt und Achten beschreiben. Dadurch soll eine Zugkraft von bis zu 100 t entstehen und Schiffe bis zu einer Länge von 300 m gezogen werden können. An Deck im Vorschiffsbereich benötigt das Kite-Segel zur Lagerung einen lediglich ca. 5 x 5 m großen Container. Das für Windgeschwindigkeiten von bis zu 75 km/h entwickelte System kann sich z.B. bei einem nahenden Sturm selbstständig abschalten.
Basierend auf Modellrechnungen und Tests an Land geht Airseas davon aus, dass durch den Einsatz des Seawing-Systems Brennstoffeinsparungen von durchschnittlich 20 Prozent möglich sein werden.

Schiffbau
Artikel Redaktion Schiff&Hafen
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