Einsatz für Küstenregionen

Experte: Küstenschutz genauso wichtig wie Thema Klimawandel =

Der Schutz von Küstenregionen ist für die Menschheit nach Ansicht von Experten genauso wichtig wie der Klimaschutz. «Ich halte dieses Thema für ebenso dringlich wie den Klimawandel», sagte der Bremer Professor Venugopalan Ittekot vom Zentrum für Marine Tropenökologie (ZMT) in einem dpa-Gespräch. Überall auf der Welt gebe es Regionen, in denen die Zerstörung maritimer Ökosysteme durch Verschmutzung und Überfischung zunehme und damit Mensch und Tier bedrohe.

«In abgeschlossenen Küstenmeerbecken wie der Ostsee, dem Schwarzen Meer oder dem Baltischen Meer werden die Auswirkungen konzentriert sichtbar. Das sind sprichwörtlich Hexenkessel», sagte der Forscher. Eine Delegation mit Wissenschaftlern aus 24 Ländern berät deshalb im Hanse-Wissenschaftskolleg in Delmenhorst noch bis Donnerstag, wie der fortschreitenden Verschmutzung der Meere begegnet werden kann. Es gehe um dringende Probleme, da in manchen Gebieten bereits innerhalb der vergangenen zwei Jahre massive Veränderungen des Ökosystems beobachtet worden seien, sagte Ittekot. Die große Schwierigkeit sei, alle politischen Akteure an einen Tisch zu bekommen. Denn Küstenregionen wie etwa die Ostsee haben mehrere Anrainerstaaten, deren Interessen es zu berücksichtigen gilt.

«Wir nehmen zu vieles als selbstverständlich hin», gab der Professor zu bedenken. «Wenn die Meere weiter verschmutzen, hat die Lebensqualität aller darunter zu leiden.» Die Zerstörung der Ökosysteme habe schwerwiegende Folgen für das weltweite Nahrungsangebot, den Tourismus und nicht zuletzt für den Handel. Als Folge von Verunreinigung und Überdüngung seien die Auswirkungen bereits an der Ostsee sichtbar: Hier sei das größte Problem die Verschmutzung durch Algenblüten. «In anderen Gebieten entstehen die Probleme etwa durch Überfischung oder Abholzung.» Es gebe jedoch noch Hoffnung für die geschändete Natur: «Am Schwarzen Meer konnte man Anfang der 90er Jahre beobachten, wie sich das Gewässer innerhalb von drei bis vier Jahren deutlich erholte», sagte der Wissenschaftler. Als Maßnahmen gegen die weitere Zerstörung der maritimen Gebiete schlagen Forscher die Errichtung von weiteren Schutzgebieten entlang der Küstenzonen und ein ökologisch nachhaltiges Management in den Gebieten vor.

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