Klimapolitik und Schiffsemissionen

Im Mai hat der VDR die Jahresversammlung der International Chamber of Shipping (ICS) in Hamburg ausgerichtet, an der die Präsidenten und Geschäftsführer von insgesamt 36 Reederverbänden aus aller Welt teilgenommen haben. Auf der Tagesordnung stand insbesondere auch die Klimapolitik.

Mit Blick auf die so genannten markt-basierten CO2-Minderungsinstrumente haben die ICS-Mitgliedsverbände auf der Tagung ein klares Votum zum Internationalen Klimafonds abgegeben. Nach Auffassung der ICS-Mitglieder ist ein solches System einfacher zu handhaben und transparenter als ein Emissionshandelssystem. Der VDR hatte dieses Modell in den Beratungen  in der Internationalen Seeschifffahrtsorganisation (IMO) bereits sehr frühzeitig unterstützt.

Die Mitgliedsverbände der ICS haben auf ihrer Jahresversammlung bekräftigt, dass für die Schifffahrt globale Lösungen in der IMO gefunden werden müssen. Sie haben auch ihre klare Unterstützung für die technisch-betrieblichen Effizienzmaßnahmen, die derzeit in der IMO diskutiert werden, bekundet. Die ICS-Mitglieder werden sich über ihre nationalen Regierungen und auch in der IMO dafür einsetzen, dass sowohl der Effizienzstandard für neue Schiffe, der „Energy Efficiency Design Index“ (EEDI), und der „Ship Energy Efficiency Management Plan“ (SEEMP) für existierende Schiffe auf der nächsten Sitzung des IMO-Umweltausschusses im Juli 2011 (MEPC 62) verabschiedet werden.

Der Klimaschutz war auch Gegenstand der 7. Nationalen Maritimen Konferenz, die am 27. und 28. Mai in Wilhelmshaven stattgefunden hat. Der VDR hat sich im Umweltworkshop der Konferenz erneut für die Einrichtung eines Internationalen Klimafonds ausgesprochen. Es besteht Einvernehmen mit der Bundesregierung darüber, dass für die Schifffahrt globale Lösungen gefunden und daher alle Anstrengungen darauf gesetzt werden müssen, in der IMO zu einer Lösung zu gelangen.

Die Senkung der Schwefeloxid-Emissionen von Schiffen war ebenfalls Gegenstand der 7. Nationalen Maritimen Konferenz. Der VDR hat seit langem darauf verwiesen, dass besonders der Kurzstreckenseeverkehr durch die verschärften Regelungen ab 2015 überfordert würde.

Die Bundeskanzlerin hat dieses Thema in ihrer Rede auf der Konferenz aufgegriffen und betont, dass der Bundesregierung bewusst sei, dass gerade bei den Schwefelemissionsüberwachungsgebieten in Nord- und Ostsee anspruchsvolle Anforderungen gelten würden. Daher diskutiere die Bundesregierung mit der Wirtschaft Maßnahmen, mit denen die Umsetzung des MARPOL-Abkommens „ohne negative Nebenwirklungen“, also ohne unerwünschte Verkehrsverlagerung erreicht werden könne.

Die Bundesregierung wird nun gemeinsam mit den Beteiligten Pilotprojekte auf den Weg bringen, mit denen die Praxistauglichkeit von Abgasentschwefelungsanlagen bei den verschiedenen Schiffstypen geprüft und weiterentwickelt werden soll. Im Jahr 2013 seien aus den Ergebnissen der Pilotprojekte dann die notwendigen Schlüsse zu ziehen, sagte ein Vertreter der Bundesregierung.

Der VDR begrüßt dieses Vorgehen. Er wird gemeinsam mit seinen Mitgliedern und den Herstellern alles daran setzen, die Vorgaben des MARPOL-Übereinkommens durch technisch machbare und wirtschaftlich vertretbare Lösungen zu erfüllen. Sollten technisch ausgereifte und schiffsseitig erprobte Lösungen aber noch nicht für alle Schiffstypen bis zum Jahr 2015 zur Verfügung stehen, sind Übergangsregelungen unausweichlich.

Schifffahrt
Artikel Redaktion Schiff&Hafen
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