Kathrin Lau, Chefredakteurin

Editorial aus Schiff&Hafen 1-2/2023 Neues Jahr...

neues Glück, sagt der Volksmund. Nach den vergangenen Jahren fällt es jedoch mitunter schwer, positiv auf die kommenden Monate zu blicken. Die unterschiedlichen Teilsegmente der maritimen Branche, seien es die Reeder, Häfen, Zulieferer, der Schiffbau oder die Offshore- und Meerestechnik, befinden sich weiterhin in einer Ausnahmesituation. Bedingt durch die Nachwehen der Corona-Pandemie, die Auswirkungen des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine oder den aktuell dramatischen Fachkräftemangel stehen Politik und Gesellschaft weiterhin vor großen Herausforderungen. Daneben dürfen aber auch die Bemühungen um den Klimaschutz und die entsprechende Einhaltung des Pariser Klimaabkommens nicht in den Hintergrund geraten.

Eines der wichtigsten Themen ist und bleibt darüber hinaus weiterhin die autarke Energieversorgung in Deutschland und Europa. Der Ausbau der benötigten Infrastruktur soll dabei in Rekordzeit vorangetrieben werden. Und tatsächlich konnten in den vergangenen Wochen hier einige beeindruckende Ergebnisse vermeldet werden. Die LNG-Anleger in Wilhelmshaven und Lubmin konnten binnen weniger Monate fertiggestellt werden; die Auftragsvergabe für zwei dringend benötigte Konverterstationen für die OffshoreWindenergie wurde ebenfalls massiv beschleunigt.

So unglücklich es klingen mag – und keinesfalls soll damit das Leid der Opfer des Krieges negiert oder relativiert werden – ohne Putins Entscheidung, im 21. Jahrhundert den Krieg zurück nach Europa zu bringen, wären diese industriepolitischen Schritte vermutlich noch lange nicht so weit gediehen. Nun gilt es, das Tempo zu halten und die Bedarfe in Bezug auf Infrastruktur und Ressourcen bestmöglich zu erfüllen und zu koordinieren. Die in den letzten Jahren oft beklagte mangelnde Weitsicht auf Seiten der Politiker kann jetzt durch eine zeitnahe Bereitstellung von Investitionen und Verschlankung von Prozessen zumindest teilweise ausgeglichen werden.

Auch für Veranstaltungen und maritime Zusammenkünfte verspricht 2023 ein interessantes Jahr zu werden. Mit Spannung wird abzuwarten sein, ob und inwieweit sowohl die geopolitischen Auswüchse in China als auch die Kommunikation rund um die mehrfachen Verschiebungen der Marintec in Shanghai dazu beitragen, dass sich die hiesige maritime Branche wieder verstärkt auf die Kormarine in Busan, Südkorea, konzentrieren wird. Wichtige und nachhaltige Akzente wird hoffentlich auch die Nationale Maritime Konferenz setzen können, die in diesem Jahr im September in Bremen stattfinden wird. Hier wird vor allem auch der Nachfolger von Claudia Müller – der mit dem Grünen-Politiker Dieter Janecek als künftiger Koordinator der Bundesregierung für die Maritime Wirtschaft und Tourismus bereits feststehen soll, die Personalie war jedoch bei Redaktionsschluss noch nicht durch das BMWK bestätigt – gefragt sein.

Was die kommenden Monate an Beständigkeit und Veränderungen bereithalten werden, ist ungewiss. Notwendige Rahmenbedingungen können und müssen dabei aber aktiv von Politik, Gesellschaft, Wissenschaft und Industrie gesteckt und durchgesetzt werden.

Artikel Redaktion Schiff&Hafen
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