Deutsche Offshore-Windenergie erreicht Marke von 10 GW

In der ersten Jahreshälfte 2026 wurden 84 Offshore-Windenergieanlagen mit einer Leistung von 1077 MW in der deutschen Nord- und Ostsee ans Netz angeschlossen; im Bild die Installation einer Anlage im „Nordseecluster A“ (Foto: RWE/Matthias Ibeler)
Zum Stichtag 30. Juni 2026 sind in der deutschen Nord- und Ostsee 1764 Offshore-Windenergieanlagen mit einer installierten Gesamtleistung von 10,8 GW in Betrieb gewesen. Im ersten Halbjahr wurden 84 weitere Anlagen mit einer Leistung von 1077 MW ans Netz angeschlossen. Das geht aus aktuellen Erhebungen der Deutschen WindGuard im Auftrag der Branchenorganisationen Bundesverband WindEnergie e.V. (BWE), Bundesverband Windenergie Offshore e.V. (BWO), VDMA Power Systems, WAB e.V., WindEnergy Network e.V. und der Stiftung Offshore-Windenergie hervor.
Weitere 22 Anlagen mit einer Gesamtleistung von 323 MW sind derzeit in den Offshore-Windparks „Borkum Riffgrund 3“ und „He Dreiht“ sowie im „Nordseecluster A“ bereits errichtet, aber noch nicht in Betrieb. Für Projekte mit einer Gesamtleistung von 2,6 GW wurde bereits die finale Investitionsentscheidung (FID) getroffen. Weitere Offshore-Windprojekte mit einer Leistung von 17,5 GW sind bezuschlagt, für diese liegt bislang jedoch noch keine FID vor. Nach aktueller Planung sollen bis 2032 in Deutschland 30 GW Offshore-Windleistung installiert sein.
Die Branchenverbände sehen den weiteren Ausbau durch die derzeitigen Rahmenbedingungen gefährdet. Die Ergebnisse der jüngsten Ausschreibungsrunden zeigten, dass das bestehende Regime den aktuellen Marktgegebenheiten nicht mehr gerecht werde. Insbesondere die ausgebliebenen Gebote im August 2025 hätten den dringenden Anpassungsbedarf beim Windenergie-auf-See-Gesetz (WindSeeG) deutlich gemacht. Solange bezuschlagte Projekte in der Schwebe seien und der künftige Rechtsrahmen offenbleibe, bestünden erhebliche Unsicherheiten für Projektentwickler, Hersteller, Zulieferer und Investoren.
Für die Finanzierung künftiger Projekte fordern die Verbände daher einen international wettbewerbsfähigen Investitionsrahmen und eine grundlegende Weiterentwicklung des Ausschreibungsdesigns. Vorgeschlagen wird die Einführung eines indexierten, zweiseitigen Contracts-for-Difference-(CfD)-Modells. Das bisherige System negativer Gebote sei gescheitert und müsse durch CfDs ersetzt werden. Zudem brauche es einen praxistauglichen Absicherungsmechanismus für langfristige Stromabnahmeverträge (PPAs).
Für zwischen 2023 und 2025 bezuschlagte Projekte müsse zudem eine tragfähige Perspektive geschaffen werden. Die Verbände regen an, gesetzliche Kriterien für eine Rückgabeoption zu prüfen, wenn Projekte unter veränderten Rahmenbedingungen nicht mehr realisierbar sind. Flächen und Netzanschlüsse könnten dadurch frühzeitig für neue Projekte verfügbar werden.
Ein verlässlicher Ausbaupfad sei auch für den Industriestandort Deutschland entscheidend. Laut einer Studie des Instituts wind:research im Auftrag des BWO sichert die Offshore-Windenergie heute bereits rund 49 000 Arbeitsplätze in Deutschland. Für weiteres Wachstum seien faire Wettbewerbsbedingungen, der Schutz kritischer Energieinfrastruktur sowie eine wirksame Begrenzung physischer und digitaler Sicherheitsrisiken entlang der Lieferkette erforderlich.