Tiefseebohrungen: immer mehr Sicherheitsbedenken

Ein Bericht, der vom britischen Parlamentsausschuss für Energie und Klimawandel veröffentlicht wurde, befand erhebliche Mängel in den Sicherheits- und Haftungsbestimmungen, die mögliche Katastrophen bei geplanten Tiefseebohrungen in der Nordsee, entfernt von den westlichen Shetlandinseln, betreffen.

Ölgesellschaften bohren schon in vier Feldern der Shetlandinseln und Hunderte von neuen Bohrlöchern sollen in den nächsten Jahren geöffnet werden.

In den Vereinigten Staaten hat ein im Voraus veröffentlichtes Kapitel des lang erwarteten Berichtes des nationalen US-Ausschusses für den Ölunfall, der in Kürze herauskommen soll und die Katastrophe im Golf von Mexiko untersucht, die Schutzmaßnahmen auf der „Deepwater Horizon“-Anlage heftig kritisiert. Sei das absichtlich oder nicht – die von BP, Halliburton und Transocean getroffenen Sicherheitsmaßnahmen haben ihnen dem Bericht zufolge Zeit und Geld gespart. Der Bericht erklärt, dass solche Katastrophen ohne die nötigen Gegenmaßnahmen wieder vorkommen könnten.

Angesichts der möglichen Folgen sei es nicht länger akzeptabel, auf einem System zu beruhen, bei dem die richtige Person die richtige Datei zum richtigen Zeitpunkt betrachten müsse, und dann trotz gleichzeitiger Tätigkeiten und weiterer Prüfungsverantwortungen ihre Bedeutung verstehen müsse, heißt es in dem Kapitel.
Obwohl sich der britische Parlamentsbericht gegen ein Verbot der Tiefseebohrungen in der Nordsee, Europas größtem Offshore-Ölfeld, entschied, drückte er „ernsthafte Bedenken“ über die derzeitigen Sicherheitsbestimmungen aus. Er empfahl auch, das Verursacherprinzip auszuweiten, damit nicht die Steuerzahler für jegliche künftige Katastrophe zahlen müssen.

Marlene Holzner, Pressesprecherin des EU-Energiekommissars Günther Oettinger sagte, dass die EU derzeit in einer Konsultationsperiode, die in neuen EU-Gesetzesvorschlägen gipfeln solle, genau diese Fragen untersuche.Man werde alle diese Probleme angehen, sagte sie. Es handele sich um die Haftung der Unternehmen, wann sie zahlen sollten und wieviel, unter welchen Bedingungen, um die Frage der Ausweichpläne und der Kapitalkraft. Dies seien alles Themen, die man in diesem Paket – das hoffentlich vor dem Ende der Sommerpause herauskommen solle – bewältigen wolle.

In einem Kommuniqué, das im Oktober veröffentlicht wurde, empfahl der Energiekommissar, dass die Lizenzvergabe für neue Tiefseebohrungen nur dort erfolge, wo die Ölgesellschaften einen Notfallplan und die finanziellen Mittel, um für mögliche Umweltschäden zu zahlen, vorlegen könnten. Er forderte Auch, dass Ölplattformen unter der Kontrolle nationaler Behörden durch unabhängige Experten beurteilt werden. Außerdem sollten Ölunternehmen für die Sanierung von Umweltschaden innerhalb einer Zone von 200 Seemeilen ab der Küste nach jeglichem Unfall haftbar gemacht werden.

Bedenken über die derzeitigen Sicherheits- und Haftungsverfahren bei Tiefseebohrungen vermehren sich, nachdem sich die gesetzlichen Behörden auf beiden Seiten des Atlantiks kritisch ausgedrückt haben.

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