Aus für Fehmarnbelt-Querung gefordert

Naturschützer aus Deutschland und Dänemark haben die Bundesregierung aufgefordert, die Pläne für den Bau einer Brücke über den Fehmarnbelt aufzugeben. In einem offenen Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel machen der Naturschutzbund Deutschland (NABU) und der Dänische Naturschutzverein (DN) schwere ökologische und ökonomische Bedenken geltend. Dies teilte der NABU am Montag in Berlin mit. Während Dänemark und Schleswig-Holstein sich vehement für das Fünf-Milliarden-Euro-Projekt einsetzen, blieb der Bund bisher zurückhaltend. Über die ungeklärte Finanzierung will Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) an diesem Dienstag in Berlin mit seinen Kollegen aus Kiel und Kopenhagen, Dietrich Austermann (CDU) und Flemming Hansen, sprechen.

Der Ausgang des Treffens gilt als offen. Ob es tatsächlich zu dem von der Wirtschaft in Schleswig-Holstein, Dänemark und Schweden geforderten Bau einer knapp 20 Kilometer langen Brücke über die Ostsee zwischen Puttgarden auf Fehmarn und Rødby auf der dänischen Insel Lolland kommt, hatte die Bundeskanzlerin nach einem Treffen mit ihrem dänischen Kollegen Anders Fogh Rasmussen kurz vor Weihnachten noch offen gelassen. Nach Prüfung verschiedener Finanzierungsmodelle solle es Anfang 2007 eine Entscheidung geben, hieß es damals. Umstritten waren bisher vor allem die von Kopenhagen für unerlässlich gehaltenen Staatsgarantien. Die große Koalition in Kiel hatte sich zuletzt unter Berufung auf positive Signale aus Berlin zuversichtlich geäußert.

NABU und der Dänische Naturschutzverein führen in ihrem Brief an Merkel an, dass Klimamodelle bereits bis zum Jahr 2050 für die Ostsee einen deutlichen Anstieg der Zahl und Stärke von Stürmen vorhersagten und die Brücke dann für den Verkehr gesperrt werden müsste. Fähren seien davon nicht in gleichem Maße betroffen. Die Kosten stünden in keinem vernünftigen Verhältnis zu dem erwarteten Nutzen. Als weiteres Argument gegen das Vorhaben nennen die Naturschutzverbände ein hohes Kollisionsrisiko für große Schiffe wie Öltanker. Ein Großteil der russischen Tanker aus dem Hafen Primorsk nutze den Fehmarnbelt für die Passage in die westliche Ostsee. Bei einem Schiffsunfall wären wertvolle Naturräume von einer Ölpest bedroht, hieß es.

Außerdem sei eine massive Verkehrsverlagerung von Schiff und Eisenbahn auf die Straße zu erwarten. «NABU und DN sehen daher übereinstimmend keinen gravierenden Nutzen in einer festen Beltquerung, der die hohen ökologischen wie ökonomischen Risiken rechtfertigt», erklärte NABU-Präsident Olaf Tschimpke.

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