Bedrohung für Handelsschiffe im Nahen Osten steigt

Die US-Militärstreitkräfte starteten am 28. Februar die Operation Epic Fury, in der die USA und ihre Partner Kommando- und Kontrollanlagen der Islamischen Revolutionsgarde, iranische Luftabwehrkapazitäten, Raketen- und Drohnenabschussbasen sowie Militärflugplätze unter Beschuss nahmen (Foto: US Central Command)
Nach Beginn des Militärschlags der USA und Israel auf den Iran am vergangenen Samstag hat der Verband Deutscher Reeder (VDR) bekannt gegeben, dass nach Angriffen auf die zivile Schifffahrt im Bereich der Straße von Hormus und angrenzenden Seegebieten vor der Küste Omans erstmals Verletzte und Todesopfer gemeldet wurden. Deutsche Schiffe und Seeleute seien nach aktuellem Kenntnisstand bislang nicht betroffen. Die Vorfälle verdeutlichen jedoch, dass sich die Bedrohungslage für die zivile Handelsschifffahrt weiter konkretisiert hat, so der VDR.
Die Entwicklungen unterstreichen die zunehmende Gefährdung entlang einer der wichtigsten globalen Energie- und Handelsrouten, heißt es. Nach derzeitigen Informationen des VDR befinden sich mindestens 25 Schiffe von sieben deutschen Reedereien in den betroffenen Gewässern, darunter zwei Kreuzfahrtschiffe mit etwa 7000 Passagieren, die die Region derzeit aus Sicherheitsgründen nicht verlassen können. Weitere deutsche Schiffe sind in angrenzenden Regionen wie dem Arabischen Meer und dem Roten Meer präsent.
Die Reedereien haben fortlaufende Krisensitzungen einberufen. Wo operativ möglich, werden Schiffe umgeleitet, aus gefährdeten Seegebieten abgezogen oder warten in sicheren Positionen auf weitere Anweisungen. Eine namentliche Nennung betroffener Schiffe unterlässt der VDR aus Sicherheitsgründen, um Besatzungen, Passagiere und Schiffe nicht zusätzlichen Risiken auszusetzen.
Nach derzeitigen Erkenntnissen bestehe keine physische Blockade der Straße von Hormus. Allerdings wurden Warnungen und Funksprüche iranischer Stellen verbreitet, die Schiffe auffordern, die Passage nicht zu nutzen. Eine durchgehend militärisch abgeriegelte Meerenge – etwa durch Kriegsschiffe, Minen oder systematische Kontrollen – liegt aktuell nicht vor; die Lage könne sich jedoch kurzfristig ändern.
Der VDR steht in engem Austausch mit der Deutschen Marine und seinen Mitgliedsunternehmen, um die Sicherheit von Besatzungen, Passagieren und Schiffen kontinuierlich zu gewährleisten, heißt es in einer Mitteilung. Gleichzeitig fordert der Verband internationale Politik und Sicherheitsbehörden auf, alles in ihrer Macht Stehende zum Schutz der zivilen Schifffahrt zu tun.
Erst kürzlich hatte der VDR darauf hingewiesen, dass eine weitere Eskalation der Spannungen die Sicherheitslage auf See deutlich verschärfen und auch Angriffe der im Jemen aktiven, mit dem Iran verbündeten Huthi-Milizen begünstigen könnte. Die Kombination aus militärischer Eskalation im Umfeld des Persischen Golfs und anhaltenden Bedrohungen im südlichen Roten Meer schaffe ein durchgehendes Risikoband entlang zentraler Seehandelsrouten zwischen Europa und Asien, so der VDR. Es drohe eine weitere Ausweitung der Konfliktdynamik mit erheblichen Risiken für die Handelsschifffahrt in der gesamten Region.
Auch die Deutsche Seemannsmission (DSM) weist auf die breite Betroffenheit von Seeleuten hin. Rund 200 Handelsschiffe mit etwa 4000 Seeleuten sowie sechs Kreuzfahrtschiffe mit 3000 Besatzungsmitgliedern liegen aktuell in der Region vor Anker. Mindestens vier Schiffe wurden dem DSM zufolge bereits von Geschossen getroffen, wobei ein Seemann getötet und mehrere verletzt wurden. DSM-Generalsekretär Matthias Ristau betont: „Zivile Seeleute anzugreifen, ist durch nichts zu rechtfertigen. Viele Seeleute und ihre Angehörigen sind in Sorge, die dünne Stahlhaut der Schiffe bietet kaum Schutz.“
Die DSM unterstützt betroffene Seeleute über den Chat dsm.care und steht über das ökumenische Netzwerk der Seemannsmissionen mit regionalen Partnern in Kontakt, um möglichst bald wieder persönliche seelsorgerliche Hilfe leisten zu können.
Der Kreuzfahrtverband CLIA Deutschland hat indes bekanntgegeben, dass Kreuzfahrtrouten im Nahen Osten derzeit nicht mehr durchgeführt werden. Schiffe in der Region passten ihren Betrieb entsprechend den offiziellen Anweisungen an und priorisierten die Sicherheit – in enger Koordination mit den zuständigen maritimen Sicherheitsbehörden und relevanten Regierungspartnern, so CLIA.