Erstmals Schiff mit asiatischen Immigranten vor den Kanaren

Das Flüchtlingsdrama vor den Kanaren hat eine neue Dimension erreicht. Erstmals gelangte am Freitag ein Schiff mit rund 200 asiatischen Immigranten auf die spanische Inselgruppe. Die erschöpften Bootsinsassen stammen nach ersten Erkenntnissen aus Pakistan, Indien und Sri Lanka. Sie seien vermutlich in Guinea-Bissau oder dem Senegal an Bord gegangen. Die Behörden ließen sie jedoch nicht an Land. Zunächst solle mit den Ursprungsländern über deren Abschiebung verhandelt werden, teilte die spanische Regierung mit.

Der marode, etwa 40 Meter lange Fischkutter war am Vorabend von der Küstenwache vor der Insel Teneriffa gesichtet und dann in den Hafen von Santa Cruz geschleppt worden. Die flaggenlose «Al-Mari» habe ein kleines Leck und sei manövrierunfähig, hieß es. Lediglich 18 gesundheitlich angeschlagene Bootsinsassen durften an Land und wurden dort medizinisch behandelt. Anschließend wurden sie wieder auf das Schiff gebracht, wie das Fernsehen berichtete.

Die Immigranten hätten tagelang nichts gegessen, sagte der Delegierte der spanischen Regierung auf den Kanaren, José Segura. «Sie sind Schiffbrüchige, Immigranten und Opfer zugleich.» Die Zuwanderer sollen an Bord versorgt und so schnell wie möglich ausgeflogen werden. Die Besatzung habe sich unter die Flüchtlinge gemischt und könne deshalb nicht von der Polizei befragt werden. Möglicherweise sei Griechenland das ursprüngliche Ziel des Schiffes gewesen.

In diesem Jahr sind bereits 24 000 afrikanische Bootsflüchtlinge auf den Kanaren gelandet. Asiatische Immigranten sind bislang aber nur vereinzelt auf die Inselgruppe gelangt. Vor Cádiz an der Südküste Spaniens war im Juni allerdings ein ähnlicher Kutter mit rund 200 Pakistanern und Indern an Bord abgefangen worden.

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