NABU-Kreuzfahrtranking kritisiert langsamen Umstieg auf klimaneutrale Kraftstoffe

Die norwegische Reederei Havila Voyages belegte – wie bereits im Jahr 2025 – den ersten Platz im NABU-Kreuzfahrtranking (Foto: Havila Voyages)
Der Naturschutzbund Deutschland e.V. (NABU) hat sein aktuelles Kreuzfahrtranking vorgestellt. Es zeigt, dass die Branche zwar Fortschritte bei Energieeffizienz und Landstrom macht, beim entscheidenden Schritt zur Dekarbonisierung jedoch weiterhin hinter ihren Möglichkeiten zurückbleibt. Selbst die bestplatzierten Reedereien erreichen laut NABU weniger als die Hälfte der möglichen Punkte.
Als bestplatzierte Reederei wurde – wie bereits im Jahr zuvor – Havila Voyages ausgezeichnet. Das norwegische Unternehmen hatte nach eigenen Angaben bereits Ende 2025 eine klimaneutrale Reise auf der Postschiffroute zwischen Bergen und Kirkenes mit Biogas durchgeführt und dabei die CO₂-Emissionen um 95,5 Prozent reduziert. Bis 2028 will Havila Voyages seine Flotte klimaneutral betreiben und ab 2030 vollständig emissionsfrei unterwegs sein.
Besonders kritisch bewertet der Umweltverband den anhaltenden Einsatz von Schweröl. Von den zwölf untersuchten Kreuzfahrtunternehmen schließen demnach lediglich vier den Einsatz des besonders schadstoffreichen Kraftstoffs vollständig aus. Bei den übrigen Reedereien kann Schweröl weiterhin mithilfe von Abgaswäschern (Scrubbern) genutzt werden. Diese reduzieren zwar bestimmte Schadstoffe, leiten die Rückstände jedoch mit dem Waschwasser ins Meer ein, so der NABU.
„Noch immer setzen Kreuzfahrtunternehmen in großem Umfang auf Schweröl – mit fatalen Folgen für Klima und Umwelt. Dabei wäre der Ausstieg längst möglich. Es fehlt nicht an technischen Lösungen, sondern am Willen zur Umsetzung“, so Raija Koch, NABU-Referentin für Schifffahrt. Die Unternehmen müssten verbindlich auf klimafreundliche Antriebe und saubere Kraftstoffe umsteigen und ihre Verantwortung für den Schutz von Meeren und Klima ernst nehmen.
Auch die Luftschadstoffemissionen bleiben laut NABU eine Herausforderung. Während etwa die Hälfte der bewerteten Reedereien ihre Stickoxidemissionen im Betrieb reduziert, gebe es bislang kaum wirksame Maßnahmen gegen besonders gesundheits- und klimaschädliche Rußemissionen. Fortschritte erkennt der NABU dagegen beim Ausbau der Landstromversorgung in den Häfen. Immer mehr Schiffe können während der Liegezeit mit Strom von Land versorgt werden, sodass der Betrieb der Bordmotoren reduziert oder vermieden werden kann. Zudem verbesserten Neubauten und technische Nachrüstungen die Energieeffizienz vieler Schiffe und senkten die Emissionen pro Passagierkilometer.
Die Kreuzfahrtbranche weist die Kritik zurück und sieht sich auf einem guten Weg. „Die Branche ist auf Kurs“, erklärt der Branchenverband Cruise Lines International Association (CLIA) in Deutschland. Die Investitionen und Bemühungen der Mitgliedsunternehmen würden sich auszahlen. Knapp zwei Drittel der Schiffe der CLIA-Mitgliedsreedereien könnten bereits Landstrom nutzen, bei Neubauten liege der Anteil noch höher. Rund 15 Prozent der neuen Schiffe verfügten zudem über zusätzliche Batteriespeicher an Bord. Europaweit seien bis 2036 Investitionen von mehr als 70 Mrd. Euro geplant, der Großteil davon für die Dekarbonisierung der Flotten. Dazu gehörten unter anderem Schiffe, die mit erneuerbaren Kraftstoffen betrieben werden können, sowie der weitere Ausbau der Landstromtechnologie. Gleichzeitig sieht CLIA mit der unzureichenden Landstrominfrastruktur in den Häfen und der begrenzten Verfügbarkeit erneuerbarer Kraftstoffe zwei wesentliche Herausforderungen. Notwendig sei daher eine verlässliche und ambitionierte Regulierung, die Produzenten zu Investitionen in den Ausbau alternativer Kraftstoffe motiviere.
Der NABU sieht dagegen weiterhin vor allem die Reedereien in der Pflicht. „Die Kreuzfahrtbranche erwirtschaftet hohe Gewinne und trägt damit eine besondere Verantwortung, beim Klima- und Umweltschutz voranzugehen“, so Sönke Diesener, Schifffahrtsexperte beim NABU. Statt weiter auf Schweröl, LNG oder biogene Kraftstoffe zu setzen, müsse die Branche in Technologien investieren, die tatsächlich klimaneutrale Kreuzfahrten ermöglichen.