Nacharbeiten vor Bau der Ostsee-Pipeline gefordert

Die Umweltverbände BUND und WWF fordern erhebliche Nachbesserungen der Planungsunterlagen für den Bau der geplanten Ostsee-Pipeline von Russland nach Deutschland. Die Ausführungen in den Unterlagen der Nordstream AG seien zum Teil lückenhaft und unpräzise, sagte die BUND-Vorsitzende in Mecklenburg- Vorpommern, Corinna Cwielag, am Montag der dpa. Rüstungsaltlasten in der Ostsee wie auch die Auswirkungen des Pipelinebaus auf die Meeressäuger seien unzureichend betrachtet worden. Dem WWF fehlen unter anderem konkrete Angaben zu den Verlegearten der Pipeline und Untersuchungen zu den Auswirkungen auf die Flora und Fauna.

Am 30. Januar können erstmals Behörden und Verbände ihre Bedenken und Forderungen zum Genehmigungsverfahren beim Bergamt Stralsund vorbringen. Der WWF fordert in seiner Stellungnahme das Unternehmen auf, alle Informationslücken abzuarbeiten und aussagefähige Projektunterlagen bis zum Spätsommer 2007 vorzulegen. Die von Nordstream vorgesehene Zeitplanung sei nicht realistisch und müsse revidiert werden, sagte der Leiter des WWF-Ostseebüros Jochen Lamp.

Das deutsch-russische Konsortium will 2008 mit dem Bau der Pipeline beginnen. 2010 soll das erste russische Gas durch den ersten Leitungsstrang der Trasse in Richtung Lubmin fließen.

Der BUND fordert entlang des Trassenverlaufs eine weiträumige und vollständige Erfassung aller bekannten und bisher unbekannten Rüstungsaltlasten und deren Bewertung. So bemängelt der Verband, dass in den Nordstream-Unterlagen für den Termin am 30. Januar gerade für den deutschen Trassenverlauf «kein einziger Hinweis auf Rüstungsaltlasten» enthalten sei. Jeder Eingriff besitze das unkalkulierbare Risiko einer Explosion, sagte Cwielag. Explosionen hätten erhebliche Störungen für Meeressäuger im Umkreis von mindesten 30 bis 100 Kilometer zur Folge. Zudem befürchten die Umweltverbände, dass mit den von Nordstream benannten Methoden nur größere Metallgegenstände bis zu einer Tiefe von ein bis zu zwei Metern unter dem Meeresboden aufgespürt werden können.

Der WWF fordert vor allem eine detaillierte Vermessung entlang der Pipeline-Strecke und entsprechende geophysikalische Untersuchungen. Zudem seien die Angaben über die Verlegeart der Pipeline für alle Streckenbereiche, die Überwindung von teilweise extremen Höhenunterschieden, die Art der Verfüllung des Grabens sowie Aussagen zur Behandlung des Baggerguts zu unkonkret beziehungsweise fehlten ganz, sagte Lamp.

Nordstream favorisiert eigenen Angaben zufolge für die Querung des Greifswalder Boddens und der Boddenrandschwelle die offene Verlegung im Graben. Bei der Seeverlegung soll die Pipeline auf dem Meeresboden installiert werden. Diese Angaben sind dem WWF zu pauschal, wie Lamp sagte. So sollte für den sensiblen Greifswalder Bodden und die Boddenrandschwelle ernsthaft geprüft werden, inwieweit mit dem so genannten Micro-Tunneling-Verfahren nicht ein umweltschonenderes Verlegeverfahren eingesetzt werden kann.

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