Neues AIDA-Kreuzfahrtschiff aufgeschwommen

In der 60 Meter hohen Halle der Papenburger Meyer Werft ist viel los: Arbeiter wuseln durch den 252 Meter langen und 32 Meter breiten Rohbau des Kreuzfahrtschiffes «AIDAdiva». Das Schiff ist der erste Auftrag der Rostocker Reederei AIDA Cruises für das Papenburger Traditionsunternehmen. AIDA Cruises war im vergangenen Jahr mit 35 Prozent Anteil Marktführer bei Seereisen in Deutschland. Im kommenden April soll das 315 Millionen Euro teure Urlaubsschiff an die Reederei übergeben werden. Am Donnerstag wurde zum so genannten Aufschwimmen erstmals das Baudock geflutet.

«Wir wollen hoffen, dass kein Loch drin ist», scherzt Geschäftsführer Bernard Meyer. Gemeinsam mit dem Vorstandschef des amerikanischen AIDA-Mutterkonzerns Carnival Corporation, Micky Arison, und dem Präsidenten von AIDA Cruises, Michael Thamm, öffnet er die Schleusen. Zuvor hatte Meyer seine Gäste von der Reederei und Medienvertreter um das gewaltige Schiff herumgeführt. Vom leuchtenden Weiß der AIDA-Flotte war noch nicht viel zu sehen: Innen wie außen trägt der Koloss noch einen rotbraunen Rostschutzanstrich. Drinnen hängen Kabel und Lüftungsaggregate unverkleidet von den Decken herunter. Arbeiter bearbeiten mit Winkelschleifern die Schweißnähte.

«Der Innenausbau fängt erst später an», sagt Peter Hackmann, Sprecher der Meyer Werft. In der nun beginnenden Bauphase werden zunächst die Maschinen getestet - allerdings noch ohne Schrauben. Dennoch ist bereits zu sehen, dass sich das Schiff von anderen Kreuzfahrtschiffen abheben wird. In der Mitte sind erstmals bei einem Schiff über drei Decks hinweg Fensterflächen in die Seitenwände geschnitten worden. Damit werde die Schiffsmitte von Tageslicht durchflutet sein, erläutert Kai Bunge von der Hamburger Firma Partner Ship Design, die die Inneneinrichtung entworfen hat. «Das wird eine vollkommen neue Erlebniswelt für die Passagiere», sagt Bunge. Der von einer Glaskuppel überdachte Bereich wird «Theatrium» genannt. Er soll genauso Ort für Showaufführungen sein wie fürs Bummeln auf einer Art Marktplatz, für einen Restaurant- oder Barbesuch, erklärt Bunge.

Die AIDAdiva ist das erste von vier Schiffen, die die Meyer Werft bis 2010 für die Reederei herstellt. Mit dieser neuen Generation von Kreuzfahrtschiffen wolle AIDA noch weiter wachsen, erläutert Hansjörg Kunze, Pressesprecher von AIDA Cruises. Im vergangenen Jahr seien in Deutschland rund 640 000 Menschen auf Kreuzfahrt gewesen, die für einen Umsatz von 1,22 Milliarden Euro sorgten. Prognosen zufolge werde sich die Zahl bis 2010 auf eine Million Hochseepassagiere erhöht haben. «Wir wollen natürlich auch unseren Marktanteil erhöhen», sagt Kunze. Die neue von der Meyer Werft gebaute Schiffsgeneration soll dazu ihren Beitrag leisten. Bis zum Jahr 2010 will das Unternehmen insgesamt sieben Kreuzfahrtschiffe betreiben.

Nicht nur bei den Reedereien sorgt der Trend zu Luxus-Seereisen für volle Kassen, auch die Werftindustrie profitiert. So sind beim Bau der AIDAdiva rund 800 weitere Zulieferer beteiligt, betont Hackmann. Insgesamt sichern die Aufträge der Meyer Werft bis zu 8000 Arbeitsplätze in der Zuliederindustrie, zusätzlich zu den 2300 Beschäftigten der Papenburger Werft selbst. Insgesamt sorge die stark wachsende Kreuzfahrtindustrie für mehr als 40 000 Arbeitsplätze und vier Milliarden Euro Wertschöpfung pro Jahr, betont das Unternehmen. Die Branche wächst: In den vergangenen Jahren wurden immer zweistellige Zuwachsraten erzielt.

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