VDR-Präsident Alfred Hartmann fordert eine Verschärfung der Klimaschutz-Ziele für die Schifffahrt und will die Klimaneutralität bereits 2050 erreichen (Foto: Hartmann AG)

 

Seeschifffahrt will Klimaschutz-Ziele verschärfen

Die internationale Seeschifffahrt drängt darauf, die bestehenden, verbindlichen Klimaziele, die sich die Industrie über die Weltschifffahrtsorganisation IMO global gegeben hatte, noch einmal deutlich zu verschärfen. Dies hat der internationale Reeder-Dachverband International Chamber of Shipping (ICS) anlässlich der Weltklimaschutzkonferenz COP 26 in Glasgow verkündet. „Unsere Branche will bereits im Jahr 2050 klimaneutral sein“, erklärte Alfred Hartmann, Präsident des Verbandes Deutscher Reeder (VDR). Einen entsprechenden Vorschlag dazu hat der ICS bei der IMO in London eingereicht, über den die 175 Mitgliedsstaaten diesen November erstmals beraten.

Der VDR ist eines der größten Mitglieder des Weltreederverbands ICS, der rund 80 Prozent der internationalen Schifffahrtsunternehmen repräsentiert. Maßgeblich auf Betreiben des VDRs war der Beschluss zur Klimaneutralität der Schifffahrt zustande gekommen: „Deutschen Reedern kommt eine wichtige, treibende Rolle im maritimen Klimaschutz zu. Wir unterstützen deshalb nicht nur eine Verschärfung der Klima-Ziele für die Schifffahrt, wir haben diesen Meilenstein selbst miterarbeitet“, erläuterte Hartmann.

Derzeit ist die Weltschifffahrt, die global 90 Prozent der Waren transportiert, laut IMO für gut zwei Prozent der CO2-Emissionen verantwortlich. Die Unterorganisation der UN hatte schon 2018 für die Seeschifffahrt als eine der ersten Industrien eindeutige Klima-Ziele verabschiedet. Danach soll der CO2-Ausstoß bislang bis zum Jahr 2050 um 50 Prozent reduziert werden. Hartmann: „Klimaschutz erlaubt keinen Aufschub mehr, das belegt auch der jüngste Bericht des internationalen Klimarates IPCC. Die Schifffahrt nimmt dies auf und setzt sich nun selber den Kurs, schon 2050 klimaneutral zu sein. Wir hoffen alle Teilnehmer der maritimen Transportkette, aber insbesondere auch die Staaten werden uns bei dieser großen Aufgabe umfassend unterstützen.“

Mit ihrem Antrag erkenne die Schifffahrt die dringende Notwendigkeit an, die Zeitpläne für die Dekarbonisierung zu beschleunigen. „Unsere Aufforderung an die Mitgliedsländer der IMO ist ein deutliches Signal, dass wir als Schifffahrt jetzt proaktiv Tempo machen“, sagte der VDR-Präsident. Die Annahme eines Netto-Null-Ziels durch die IMO würde das von der Branche und von Energieversorgern, Schiffsbauern und Motorenherstellern angestrebte starke Signal senden, damit Investitionen in grüne Kraftstoffe und Technologien beschleunigt und skaliert werden können.

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Artikel Redaktion Schiff&Hafen
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