Studie sieht großes Potenzial für batterieelektrische Fähren

Geht mit gutem Beispiel voran: Der rein elektrisch angetriebene Katamaran (E-Kat) „Frisia E-1“ der AG Reederei Norden-Frisia bringt seit April 2025 Passagiere von Norddeich nach Norderney und zurück (Foto: AG Reederei Norden-Frisia)
Eine neue Studie der europäischen Umweltorganisation Transport & Environment, deren Mitglied der Naturschutzbund Deutschland e.V. (NABU) ist, hat ergeben, dass bis 2035 rund 60 Prozent der europäischen Fähren batterieelektrisch und damit emissionsfrei betrieben werden könnten; vielfach bereits wirtschaftlicher als mit fossilen Kraftstoffen.
„Elektrische Fähren sind längst keine Zukunftsvision mehr. Gerade auf kurzen und regelmäßigen Routen in Nord- und Ostsee können emissionsfreie Antriebe schnell Realität werden. Jetzt braucht es klare politische Vorgaben, damit neue Fähren konsequent klimaneutral gebaut und bestehende Schiffe nachgerüstet werden“, so Sönke Diesener, NABU-Schifffahrtsexperte. „Bund und Länder müssen batterieelektrische Antriebe verbindlich in Ausschreibungen verankern, Landstrom verpflichtend machen und gezielt in Ladeinfrastruktur investieren.“
Die Untersuchung zeigt, dass Fähren trotz ihrer zentralen Rolle für die Inselversorgung und den regionalen Verkehr bislang ein blinder Fleck der europäischen Verkehrspolitik sind. Im Jahr 2023 verursachte die europäische Fährflotte CO₂-Emissionen in Höhe von rund 13,4 Mio. t. Gleichzeitig ist die Flotte mit einem Durchschnittsalter von 26 Jahren deutlich überaltert und steht vor einer umfassenden Modernisierung, heißt es.
Aus Sicht des NABUs eröffnet der anstehende Flottenwechsel eine strategische Chance. Elektrische Fähren könnten Treibhausgas- und Luftschadstoffemissionen erheblich senken und so die Lebensqualität in Hafenstädten verbessern. Besonders auf deutschen Kurzstreckenverbindungen, etwa zu Nord- und Ostseeinseln oder im Ostseeraum, bestehen laut Studie günstige Voraussetzungen für eine zügige Elektrifizierung.
Der NABU fordert daher emissionsfreie Antriebe als Standard bei Neubauten, die verpflichtende Nutzung von Landstrom in Häfen, gezielte Förderprogramme für die Umrüstung und den Neubau elektrischer Fähren sowie faire Wettbewerbsbedingungen durch die Bepreisung fossiler Schiffskraftstoffe beziehungsweise eine Steuerbefreiung von Elektrizität im Verkehrssektor. Öffentliche Fährverbindungen sollten prioritär an emissionsfreie Antriebsarten vergeben werden. „Gerade in Zeiten geopolitischer Krisen und fossiler Preissprünge bieten elektrische Fähren die Chance auf mehr Energieunabhängigkeit und stabile Betriebskosten – insbesondere in Küstenregionen mit viel verfügbarem erneuerbarem Strom. Wenn Politik und Betreiber jetzt handeln, kann der Fährverkehr zum Vorreiter klimafreundlicher Schifffahrt werden“, so Diesener.