TUI voraussichtlich mit hohem dreistelligen Millionenverlust

Der Reise- und Schifffahrtskonzern TUI wird das Jahr 2006 voraussichtlich mit einem hohen dreistelligen Millionenverlust abschließen. Nachdem TUI-Chef Michael Frenzel im Dezember die mittelfristigen Gewinnerwartungen deutlich nach unten korrigiert hatte, fallen jetzt Abschreibungen vor allem auf die Firmenwerte der TUI-Töchter in Großbritannien und Frankreich an, der touristischen Sorgenkinder im Konzern. Hinzu kommen die Kosten für das im Dezember beschlossene Restrukturierungsprogramm in Höhe von 140 Millionen Euro, die überwiegend ebenfalls noch 2006 in die Bilanz sollen.

Finanzvorstand Rainer Feuerhake hatte bereits früher von Abschreibungen in einer Höhe von mehreren hundert Millionen Euro gesprochen, die den Ertrag schmälern. Die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» schrieb am Donnerstag, der Konzern erwarte einen Verlust von 800 bis 900 Millionen Euro, nach einem Nettogewinn von 495 Millionen Euro im Vorjahr. Ein TUI-Sprecher wollte dies nicht kommentieren. Die Zahlen lägen noch nicht vor, sagte er und verwies auf die Bilanzvorlage des Unternehmens am 21. März.

Insbesondere die 2000 für drei Milliarden Euro übernommene britische Tochter Thomson entwickelte sich nicht wie erwartet, da in Großbritannien, dem Mutterland der Pauschalreise, die Geschäfte nicht gut laufen. Nun drücke allein Thomson mit einer Wertabschreibung von einer halben Milliarde Euro auf die Erträge, schrieb die FAZ. Der zweite dicke Brocken ist die französische TUI-Tochter Nouvelles Frontiéres, die ebenfalls hohe Verluste erwarte. Zusätzlich fallen im Konzern noch gut 110 Millionen Integrationskosten für die 2006 übernommene Reederei CP Ships an.

Die Tourismusexpertin der Nord/LB, Martina Noß, hält einen Verlust vor Steuern in einer hohen dreistelligen Millionenhöhe auf Grund der zu erwartenden Abschreibungen durchaus für realistisch. Sie gehe derzeit von notwendigen Abschreibungen in Höhe von 700 Millionen Euro aus. Schätzungen in Finanzkreisen reichten jedoch bis zu einer Milliarde Euro. Das endgültige Ergebnis nach Steuern hänge aber unter anderem auch von steuerlichen Fragen ab. Noß geht davon aus, dass die TUI so viel negative Szenarien wie möglich in die Bilanz 2006 rechnen werde. «2006 war ohnehin ein schlechtes Jahr und 2007 soll es wieder nach vorne gehen», sagte die Expertin.

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