Wirbel um Reeder Stolberg

Der für seinen ökologischen Ideenreichtum vielfach gelobte Bremer Reeder Niels Stolberg sorgt auf der an Traditionen orientierten Nordseeinsel Spiekeroog seit Jahren für Wirbel. Neuerdings sogar für Turbulenzen. Stolberg und einer von ihm kontrollierten Firmengruppe soll nach Schätzungen bereits jedes zehnte Gästebett auf dem Eiland mit dem unverbaubarem Seeblick gehören. Zu den prominenten Genießern der Idylle ohne Bettenburgen gehörte auch der gestorbene Bundespräsident Johannes Rau.

Die Investitionslust des finanzstarken Bremers findet nicht nur Beifall. Sie schürt auch Ängste unter den «eingesessenen» mittelständischen Zimmervermietern und Gastwirten. «Fremdbestimmung durch das große Geld von außen» gehört inzwischen zu den bestimmenden Themen der lokalpolitischen Hintergrund- und Stammtischgespräche. Diese Ängste werden nach Angaben Beteiligter nicht geringer, wenn Stolberg Mitarbeiter seiner Hotels und Pensionen täglich mit einer eigenen Kleinbootflotte zwischen Festland und Insel hin- und herfahren lässt. Der Vorteil des Bremers liegt auf der Hand: Die inseleigenen Fähren mit ihren gezeitenabhängigen wechselnden Fahrzeiten können sich auf die Dienstzeiten von Saisonbeschäftigten naturgemäß nicht einstellen. Deren Unterbringung auf der Insel in der Hauptsaison geht aber auf Kosten der gewinnbringend vermietbaren Bettenkapazität.

Zum Start seines jüngsten Insel-Projekts, einem «Künstlerhaus Spiekeroog», hatte Stolberg für den vierten Sonntag im Juni unter anderen auch Bürgermeister Bernd Fiegenheim (Wählergemeinschaft Auf Spierkoog) zu einem Grußwort eingeladen. Ehrengast mit Rederecht war auch Niedersachsens Wissenschaftsminister Lutz Stratmann (CDU). Zwei Tage vor dem Festakt setzte Stolberg den Bürgermeister wieder vor die Tür. Mündlich, berichtet Fiegenheim. Eine schriftliche Ausladung kam von der Geschäftsführerin des neuen Künstlerhauses, Verena Frank, und dem Geschäftsführer der zum Stolberg-Imperium gehörenden «Wundervolle Ferien Vermögensverwaltungs GmbH». In der schriftlichen Ausladung werfen Frank und Schmid dem gewählten Sprecher der rund 800 Insulaner zur Begründung einen «Hang zur Polemisierung» vor. «Er hat sich hinreißen lassen, zu sagen, dass er neue Projekte, wie das Künstlerhaus, nicht gut heißt. Das haben wir als Affront aufgefasst. Da musste man nicht zwischen den Zeilen lesen», sagt Stolberg-Sprecherin Frank. Gesagt haben soll Fiegenheim das als anstößig Empfundene wenige Tage vor der Künstlerhaus-Premiere bei der Enthüllung der drei Meter hohen Bronze-Skulptur De Utkieker (Der Ausgucker). Stolberg selbst war nicht bei der Kunst-Enthüllung. Für ihn war Frank als «Ohrenzeugin» dabei, sagt sie. Einen schriftlichen Text der Bürgermeister-Rede habe aber auch sie nicht.

Für Minister Stratmann gilt Stolberg als «Unternehmer, der unglaublich viel für kulturelle und soziale Interessen, für Sport und sozial Schwache tut. Von dieser Art gibt es nicht so viele. Ich zähle ihn zu meinen Freunden.» Von der Ausladung des Bürgermeisters habe er nichts gewusst, sagt Stratmann. Ein Problem sehe er allerdings auch darin nicht. «Das war eine private Veranstaltung. Da kann der Gastgeber holen, wen er will.» In dem Projekt Künstlerhaus stecke, soweit er wisse, «kein öffentlicher Euro». Das grenzt Stolberg-Sprecherin Frank ein: «Wir haben für das Drei- Millionen-Projekt "Künstlerhaus" 18 Prozent Zuschuss für den förderfähigen Teil der Investitionssumme - etwa 500 000 Euro - aus Mitteln der Bund-Länder-Gemeinschaftsaufgabe bekommen.»

Fiegenheim sieht im Verhalten von Stolberg ein «dampfwalzenähnliches Unternehmertum». «Die Ausladung ist faktische Zensur», sagt er. Kontakt habe Stolberg knapp eine Woche nach dem Rausschmiss von sich aus wieder aufgenommen, berichtet der Bürgermeister. «Mündlich». Darin habe er einen Gesprächstermin vorgeschlagen. «Allerdings ohne Thema. Eine Entschuldigung für die Ausladung gibt es bisher nicht.»

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